Donnerstag, 16. Juni 2022

zwei von drei Affen

 Es gibt ja dieses bekannte Bild von den drei Affen: einer der sich die Augen zuhält, der andere die Ohren und der dritte den Mund. 

Nina schafft es zwei von den drei Affen in einem zu geben, indem sie sich jeweils die Daumen in die Ohren  steckt und dann mit den Zeigefingern die Augenlider zuhält. 

Sieht fies aus, so jedenfalls eine ihrer Lehrerinnen. 

Zu Hause kommt es immer dann zum Einsatz, wenn etwas in ihrem Ablauf nicht stimmt. 

Also ihr Ablauf in ihrem Kopf. 

Wenn beispielsweise eine Reihenfolge nicht genauso läuft wie die anderen Tage davor. 

Oder wenn sich Papa heute am Nachmittag aufs Sofa setzt wo er doch sonst zu der Zeit immer im Büro war. Also zu diesem Zeitpunkt am Tag. 

Ich kann es ganz gut auflösen, indem ich sie an den Ellenbogen fasse und vorsichtig, aber mit Nachdruck die Finger aus den Ohren ziehe und sagen "bitte nimm die Finger aus den Augen und Ohren, ich möchte das nicht" - ....und dann mit ihr über die Situation spricht. Funktioniert gut. 

Das es in der Schule auch vorkommt, war mir nur am Rande klar. 

Durch die Schulbegleitung hat man dann aber einen direkten Draht  und erfährt beim Abholen, dass dieser Teil ihres Verhaltes als problematisch angesehen wird. 

Ein Supervisor / Coach / Experte meint dazu, dass Nina sich Augen und Ohren zuhält, weil sie sich überfordert fühlt. 

Hmm, ich neige da etwas zur Skepsis. 

Natürlich bin ich nicht dabei und sicher kann es hin und wieder sicher ein Zeichen von Überforderung sein - aber ausschließlich? Definitiv nein. 

Denn Nina ist in ihrer Einzigartigkeit alles andere als dumm und sollte sie gelernt haben, wenn sie sich Augen und Ohren zuhält, sie in Ruhe gelassen wird - dann hat das ganze den Effekt das sie eine Methode gefunden hat um ihren Dickkopf durchzusetzen. 

Eine Gratwanderung, weil von Mal zu Mal geschaut werden muss woran es denn liegt.

  

Von der Bestrafung zur Belohnung

Ich hatte mich ein bisschen zu früh gefreut. 

Aber das habe ich nicht ahnen können. 

Ich war nur froh etwas gefunden zu haben, das Nina davon abhält, ihre Finger so viel zu kratzen das die Nagelhäute blutig werden. 

"Wenn du noch mal kratzt gibt es ein Pflaster" - und nach der Drohung gab es ein Pflaster und das kratzen hörte auf. 

Sehr cool. 

Sie kratzt wirklich nicht mehr. Das ist schön. 

Bedauerlichweise ist das Bestrafungspflaster jetzt zu einem Belohnungspflaster geworden und jetzt möchte sie oft eines haben - und es bleibt lange dran. 

So lange das die Finger schrumpelig werden, unser Apotheker fragt, was sie denn gemacht hat und die Schulbegleitung fragt ob die Wunde denn verheilt ist .

Jetzt muss ich mir überlegen wie ich das wieder ausschleichen lasse. 

Aber es gibt Schlimmeres und bis dahin einen großen Vorrat an Pflastern im Schrank. 

Krokodil, große Pizza, A und die erste Bahn

 Nach langer Zeit, Corona-Pause, sind wir endlich wieder beim Schwimmkurs. 

Hurra. 

Viele der Übungen, die dort liebevoll angeleitet werden, sind Nina sehr vertraut und die Wiederholung trägt viel dazu bei, dass es verinnerlicht wird. 

Wie ein Krokodil auf den Händen auf den Treppenstufen im Wasser entlangzugehen, die Arme nach vorne ausstrecken und wie bei einer großen Pizza im Bogen wieder zum Körper zurück zu führen und die Beine in mehreren kleinen Schritten wie ein A bewegen. 

Die Armbewegungen gingen in der letzten Woche dann so gut, dass Nina zum Ende der Schwimmstunde, vor der Spielzeit mit der Trainerin und einem Schwimmgürtel umgeschnallt ins Schwimmerbecken gegangen ist. 

Eine Bahn hin und zurück hat sie sich mit einer halben Hand an der Trainerin durchs Becken bewegt. 

Ich war unglaublich stolz und bin auch Tage danach bei der Erinnerung daran ein bisschen geschwebt. 

Wir können uns auf weitere Stunden freuen. 

Kreon knurpsen und größere Kapseln

 Nina ist so viel flexibler geworden in wirklich zahlreichen Situationen. 

Die kleineren Kreon Kapseln sind nie ein Problem und am Wochenende beim Mittagessen kochen muss ich sogar aufpassen, dass sie die nicht wie Bon-Bons weghapst. 

Beim anderen Essen wird das Kreon Granulat regelmäßig durchgeknuspert was dazu geführt hat, das wir die Dosis, in ärztlicher Absprache, etwas hochgesetzt haben, damit noch genug im Körper ankommt. Funktioniert gut. Aber abgewöhnen lässt es sich nicht. 

Dann also umschwenken auf Kapseln. Ja gute Idee. 

Nicht so gut war meine Idee gleich eine größere Kapsel zu geben, damit sie eben nur eine und nicht mehrere Kapseln nehmen muss. 

Ist ziemlich nach hinten losgegangen, denn die größere Kapsel kam sofort wieder hoch.Sie kann es noch....gewollt ein wenig Nahrung hochwürgen.  

Dabei hatte ich noch Glück das es nur die große Kapsel war und nicht zusätzlich noch die vorher eingenommenen orangen Tabletten. Das wäre wirklich wirklich blöd gewesen. 

Durchatmen, aufwischen, weitermachen und mich wieder daran erinnern, dass die Schritte die wir vorwärts machen wirklich mikroskopisch klein sind. 

Wenn etwas nicht sofort funktioniert, dann liegt es oft an mir, die leider wieder mit 200 km/h auf der Autobahn unterwegs war, während Nina noch nicht ins Auto eingestiegen war. 

Kann also nicht funktionieren. 

Muss mich ihrem Tempo anpassen. 

Prostest, Provokation und....

Pippi. 

Jeep, fängt alles mit P und ist nicht nur eine etwas schräge Alliteration sondern mein Versuch ein Thema klar zu kriegen, bei dem ich momentan mit meinem Latein am Ende bin. 

Nina ist schon lange trocken und kann wirklich sehr lange einhalten. Lange Autofahrten, Ausflüge und natürlich über Nacht.  Alles kein Problem. 

Aber in den letzten Wochen haben wir zu Hause immer in einem bestimmten Zeitfenster Toilettenunfälle. 

Ich habe so ziemlich alles versucht was mir eingefallen ist. 

Lieb drauf hinweisen dass das nicht ok ist. 
Ihr sagen, dass sie das doch schon kann. 
Es ignoriert. 
Ein bisschen geschimpft. 
Ordentlich geschimpft. 
Unglaublich oft mit ihr das Badezimmer aufgesucht. 

Eine Weile lang geht es gut. 

Dann kommt es wieder vor. 

Ab und zu denke ich es ist zu viel Leerlauf. 

Oder Langeweile?

Oder Provokation?

Oder Protest? 

Wenn Sie doch nur antworten könnte. 

Aber Wunschdenken hilft nicht weiter. 

Nur Geduld, jede Menge Wechselwäsche, eine funktionierende Waschmaschine sowie die Möglichkeit hin und wieder darüber zu motzen und natürlich eine Umarmung. 

Dienstag, 3. Mai 2022

Wie ein Sechser im Lotto

 Im Juni des vergangenen Jahres haben wir den Antrag gestellt. 

Das Ausfüllen der Formulare und der bürokratische Aufwand waren schnell abgehakt. 

Dann allerdings folgte eine wirklich ätzende Zeit, in der mir unter anderem gesagt wurde "ich kann mir gar nicht vorstellen, das Nina zu ihrer Grundschulzeit noch mal eine Schulbegleitung bekommt es gibt niemanden" - auf diese Aussage hätte ich echt verzichten können. 

Wir meldeten uns beim von der Schule bevorzugten Anbieter und versuchten in Eigeninitiative jemanden zu finden. 

Beides war frustrierend ergebnislos. 

Auch hier braucht man einen langen Atem und darf nicht sofort ein Ergebnis erwarten. 

Ich blieb dran und meldete Nina schließlich bei insgesamt acht Anbietern an. 

Bei einem Anbieter kam dann der entscheidende Hinweis: "sich immer wieder in Erinnerung bringen".

Obwohl ich so was ätzend finde, blieb ich dran und rief pünktlich wie ein Uhrwerk immer wieder  an um nachzufragen ob es etwas neues gibt. 

In den Osterferien war es dann soweit. Jemand war frei geworden. Wir haben uns kennengelernt und es passte. 

Eine qualifizierte, erfahrene und nette Schulbegleitung hat Nina nun an ihrer Seite. 

Sie ist eine gute Beobachterin und wirklich ein großer Gewinn...eben wie ein Sechser im Lotto. 

Da haben wir wirklich Glück gehabt. 

Socken anziehen Papa hilf

Der Wortschatz auf Ninas Talker wächst und wächst. 

In den letzten Wochen gab es einige Wort-Aneinanderreihungen. 

Erst viel mit "Ich möchte....x" dann kamen Wortketten ,die anzeigten was als nächstes passiert. 

Immer öfter drückt sie auch jetzt die Tasten "Ich habe Hunger", "Ich habe Durst". 

Die erste Kombination "Ich möchte mehr Haferfleks" war total gut. 

Vor einigen Tagen hat sie jetzt den Satz "Socken anziehen, Papa, hilf!" zusammengesetzt und wollte auch eben dieses.

 Das ganze wurde begleitet von einem Lachen und wir haben gemerkt, dass es ihr unendlichen Genuss bringt, wenn sie sich so auf diese Weise ausdrücken kann. 

Aber nicht nur ihr, sondern auch uns. 

Diese Art der unterstützten Kommunikation ist ein enorme Bereicherung für uns und wir sind sehr gespannt wo die Reise hingeht.