Donnerstag, 26. August 2021

ein neuer Gulasch-Moment

 Den letzten Gulasch-Moment erlebten wir im Speisesaal der Rhea in Tannheim. 

Nachdem wir Nina wochenlang beständig und abwechslungsreich die unterschiedlichsten Speisen angeboten hatten - hatten wir aufgegeben und genossen unsere Auswahl und Nina war einfach dabei. 

Aber an diesem Abend wollte sie Gulasch essen. Von meinem Teller. Alles. Immer wieder griff sie nach meinem Arm und futterte alles an Fleisch auf was sie finden konnte. Das war sensationell und wir waren sehr glücklich. 

Aber so sehr wir auch in der Zeit danach versuchten dieses Ereignis zu wiederholen - scheiterten wir. 

Das kann schon frustrierend sein und zermürbend. 

Vor einigen Tagen, verließ ich kurz den Mittagstisch und als ich wieder in den Raum kam, sass Nina nicht nur auf meinem Platz, sondern futterte auch, mit Papas Hilfe,  von meinem Teller.

Ich gefror auf meinem Platz - und staunte. Das gibt es doch gar nicht. 

Nein, es war kein Gulasch. 

Es war ein Pasta-Gericht. 

Aber es war trotzdem dasselbe, denn an diesen beiden Erlebnissen kann man sehr schön sehen, das alle Bemühungen die man so anstellt um einem wieder-ständigem Esser zu zeigen, das auch andere Sachen lecker sind, völlig belanglos sind. 

Denn ähnlich wie bei anderen Lebensbereichen, entscheidet Nina ALLEINE, ob sie so weit ist und sich auf das Abenteuer neues Essen einlässt oder eben nicht. 

Sie wird auch künftig skeptisch bleiben und nicht von nun an sorglos alles essen was ihr unter die Nase kommt. 

Aber es geht voran - in Mikro-Schritten natürlich. 

Freitag, 6. August 2021

Tee und Tee trinken

 Im Volksmund heißt es ja "abwarten und Tee trinken" und ja ich liebe es, eine gute Tasse Tee zu trinken. 

Bevor ich Mutter eines Kindes mit zwei Diagnosen wurde, habe ich im November immer Teepartys gefeiert  und dazu eine Handvoll Freundinnen eingeladen. Wir haben selbstgebackene Scones und Gurkensandwiches gegegessen und Literweise Tee getrunken und viel erzählt und gelacht. 

Daran muss ich mit etwas Wehmut denken, als ich mich mit einer Freundin von heute, die auch eine autistische Tochter hat,  über Teesorten austausche. 

Die Konversation geht aber in eine andere Richtung und ich erzähle auch hier von früher - aber schnell ist der Bogen da, dass in Ruhe Tee trinken heute dafür steht, dass es ein guter und entspannter Tag ist. 

Wir finden superschnell die Gemeinsamkeit und sie erzählt mir, dass sie einmal morgens eine Tasse Tee gemacht hat, ihn Mittags in der Mikrowelle aufgewärmt und abends darin gefunden hat - ohne ihn zu trinken weil an diesem Tag einfach alles alles anders gelaufen ist und sie ihre Tasse Tee schlichtweg mehrmals vergessen hat. 

Ein bisschen ist es zum schmunzeln, zeigt aber auch die angespannte Situation in der wir uns häufig befinden. 

Als Fazit kann ich aber ziehen: wir haben viel mehr gemeinsam als es manchmal von außen sichtbar ist und: eine Tasse Tee in Ruhe genossen hat heute für mich noch einen sehr viel größeren Wert. 

"Man trinkt Tee um den Lärm der Welt zu vergessen." T'ien YiHeng