Montag, 6. April 2026

Post Reha Gedanken

 Das wieder zu Hause landen, ist irgendwie merkwürdig. 

Die Rückfahrt war lang und anstregend.

Der Wäscheberg ist gigantisch, der Kühlschrank zunächst leer und bis alles wieder an seinem Platz ist vergeht einige Zeit. 

Natürlich ist zu Hause ganz viel wirklich toll. Das eigene Bett, das Sofa, das geschätzte Essen, die eigenen Routinen....

Aber diese ersten Tage hänge ich irgendwie durch, wir schlafen alle (auch Nina) extrem lange und tief und immer wieder fällt der Blick auf die Uhr und die Gedanken schweifen wieder zur Reha und automatisch ist der Vergleich da....dort würden wir jetzt: 

  • in den Speisesaal gehen
  • die Inhaletten abholen
  • oh, die Cafeteria öffnet...
  • zum kneippen gehen
  • Nina bei x abholen / zu y bringen
  • ....
Ich schaue mir verstärkt die dort gemachten Bilder an, beginne damit ein Fotobuch für Nina zu machen.

Man schreibt in Einzelchats  oder in der Gruppe mit den lieben, dort kennengelernten Menschen  und eine pfiffige "Mit-Rehateilnehmerin" kreiert für mich den absolut passenden Begriff für diesen Zeitraum nach dem Ende der Reah: Reha-Jetlag. 

Wir hängen noch in der Reha-Zeitzone und müssen uns erst ausschlafen und gefühlt eine oder zwei Zeitzonen überwinden, um wieder im Alltag anzukommen. 

Was bleibt ist eine große Dankbarkeit für diese wunderbare Zeit und die tollen Gespräche und Begegnungen die wir machen durften. 



   

Was wir aus der Reha mit nach Hause nehmen ...

 ...

  • intensiv verlebte Familienzeit
  • kein Streit, auch nicht wenn wir wenig Platz haben
  • wir funktionieren zusammen
  • wir hatten eine tolle Zeit und haben viele sehr nette Menschen getroffen und mit ihnen Zeit verbringen können
  • wir nehmen Schub und Motivation mit
  • wir haben Anregungen in vielen Bereichen bekommen (medizinisch, therapeutisch, schulisch, praktisch....)
  • einen frischen Blick auf uns und speziell auf Nina-Themen
  •  wir haben medizinisch ein paar Punkte abklären können, mit kurzen Wegen
  • wir hatten Zeit als Paar

Nicht fehlen darf bei dieser Aufzählung: 

Nina ist richtig, genauso wie sie ist.

Ich möchte dieses entspannte Gefühl sich Zeit zu nehmen und eines nach dem anderen zu tun mit in den Alltag nehmen und so lange wie möglich "halten" können. 

Die Erkenntnis, dass diese Zeit wertvoll für uns war. 



Positive Gedanken in der Reha zum zweiten

 Abschlussgespräche reihten sich an Abschlussgespräche und wir haben dieses Ausmass an positiven Rückmeldungen zu Nina nicht erwartet - und auch nicht diese Fortschritte in allen Bereichen. 

Ich bin froh, dass ich mein Notizheft mitgenommen und all die wunderbaren Sachen notiert habe die uns von Seiten der Fachkräfte gesagt wurden. 

Natürlich bekommen wir auch zu Hause positives Feedback - aber nicht in dieser geballten Form. 

Es war wie ein Festival der anerkennenden und beifälligen Worte und Berichte. 

Ein Bad in guten Gefühlen und ein Wohlgefühl von Kopf bis Fuß. 

Positive Gedanken in der Reha zum ersten

 Ungefähr eine Woche nachdem ich zu sehr ins vergleichen gegangen bin und nur gesehen habe was Nina nicht haben wird, weil sie neurodivergent ist, kann ich den Schalter umlegen. 

Höchstwahrscheinlich hat es aber in erster Linie auch damit zu tun, dass ich mal traurig war und traurig sein durfte und durch das aussprechen und fühlen jetzt wieder die andere Seite der Medaille sehen kann. 

Nina ist toll. 

Nina hat Spaß an nahezu allem was sie tut. 

Nina verbringt gerne Zeit mit sich und mit uns. 

Nina liebt Routinen. 

Nina lernt gerne auch an Feiertagen und an Wochenenden. 

Nina ist ein Herzöffner. 

Nina mag Körperkontakt.

Nina bewegt sich gerne. 

Nina inhaliert gerne. 

Nina liebt Musik. 

Nina kann sich auf neue Inhalte und neue Personen einstellen - schneller als wir es für möglich gehalten haben. 

Nina lebt im Moment.  

Negative Gedanken in der Reha zum zweiten

Es war ein wirklich anstrengender Vormittag für Nina vor allem... und sie hat all die Anforderungen, die wir und die medizinische Abteilung an sie gestellt haben gemeistert. 

Jetzt habe ich sie fröhlich in der Schule abgeliefert.
 
Ich aber sitze jetzt heulend in der Kaminecke.
 
Denn bei der Untersuchung kam mal wieder sehr deutlich zutage: "Nina ist krank." - wenn man jetzt denkt, was soll denn das jetzt? Wisst ihr doch? - - -  sicher, aber es geht ihr derzeit gut. 

Da schafft man es leicht mal darüber hinwegzusehen. 

Zumal der Autismus ja immer im Vordergrund rumgockelt und die ganze Aufmerksamkeit auf sich zieht. 

Aber heute nicht. Heute denke ich nur an CF und nur an: "Was kommt jetzt auf uns zu?" "Schaffen wir dass?" bis hin zu "Was wenn?"....aber ich drücke es nicht weg, denn ich sitze alleine da und heule mich erst mal aus. 

Ein bisschen später teile ich diese Gedanken, erst mit Volker, dann sprechen wir mit anderen darüber und noch etwas später an diesem Tag bekommen wir fachliche Informationen dazu. 

Letztlich alles nicht so schlimm momentan wie befürchtet - aber kein besonders guter Tag. 

Auch das gehört dazu. 

Negative Gedanken in der Reha zum ersten

 Manche Gefühle kommen unerwartet "von der Seite" und erwischen einen kalt, wie man so schön sagt. 

Bei mir war es irgendwann am Anfang der Reha, als mich mal wieder die Trauer überkam. 

Trauer darüber, dass Nina eben nicht neurotypisch ist. Die alte "Italien" / "Holland" Geschichte ("Willkommen in Holland" von Emily Pearl Kingsley). 

Nur gelingt es mir in dieser einen Woche nicht die positiven Seiten zu sehen. 

Ich sehe und vor allem fühle mal wieder: wir passen / Nina passt nirgendwo rein. 

Während andere Kinder in ihrer Altersklasse fortgeschrittene Gesellschaftsspiele spielen können, mit gleichalterigen komplexen Sportaktivitäten nachgehen, mit neu gefunden Freundinnen durch die Klinik streifen, sich gegenseitig in Freundschaftsalben schreiben, alleine von a nach b gehen - ist Nina auf uns angewiesen und auf 1 : 1 Betreuung und Beschäftigung und auf Spiele und Aktivitäten,die mehr als deutlich zeigen, dass Lebensalter und Entwicklungsalter weit auseinander gehen. 

Nicht das diese Diskrepanz neu für mich ist. Nein, wir haben oft und ausführlich darüber gesprochen.

All dieses Wissen nutzt mir aber nichts. Ich bin tieftraurig. 

Vielleicht ist es aber ok, denke ich nach einer Weile, vielleicht ist hier der Raum um auch diese Trauer mal wieder zu spüren.

Und ich bin ja nicht allein mit dem  traurig sein und das hilft sehr dabei wieder in die Spur zu kommen. 



Prä Reha Gedanken

 Es ist Anfang des Jahres. 

Der erste Umschlag aus der Klinik für die Reha ist angekommen. 

 Im großen, dicken Umschlag mit dabei natürlich: eine ganzer Haufen Formulare, die darauf warten ausgefüllt zu werden. 

Krankengeschichte von jedem von uns, Besonderheiten etc. etc.! 

Es ist ja nicht so, dass ich so was noch nie gemacht oder anders erwartet habe. 

 Aber dennoch ist mein Nervfaktor, bei dieser Art der "Vorbereitung" extrem hoch. 

Mir ist klar, dass ist Standard, das MUSS SO SEIN. 

Trotzdem stört es mich tierisch. 

Wieder mal einmal druchsichtig machen .....als ob es nicht für den MDK vor kurzem erst dasselbe war. 

Ich bin nervös, gestresst - allerdings nicht allein wegen der Formulare, sondern auch wegen der mehrfachen Aufforderungen aus der Klinik, auf rechtzeitige Einsendung von Ninas Rachenabstrichen. Weiß ich doch, habe ich doch auf dem Schirm. Steht rot im Kalender. 

Mir schnürt es etwas die Kehle zu, denn an den sauberen Abstrichen hängt es letztlich, ob kurz vor dem Koffer packen doch noch alles scheitet.  

Leider komme ich dann gedanklich noch zu einem "Gang durchs Museum" und erinnere mich sehr genau daran, was nach dem letzten Reha-Aufenthalt alles folgte: Problemkeime, Krankenhausaufenthalte,  Krankheiten, eine Pandemie und und und. 

Klar, es hat rein sachlich gesehen absolut nichts mit der Reha zu tun. 

Aber ich brauche eine Reihe von Gesprächen und dem zulassen der negativen Gefühle, bis ich damit abschließen kann und endlich mit einem "frischen" Mindset beginne mich vorsichtig auf diese Zeit zu freuen. 

Und vier Tage vor der Abreise kommt dann auch zu guter letzt die befreiende Nachricht: Abstriche sauber, es kann losgehen.