Sonntag, 30. Oktober 2022

erfreulich und gleichtzeitig lästig

 Der Antrag ist schon so lange her, dass ich mich schon gar nicht mehr daran erinnern kann wann wir den genau gestellt haben. 

Aber das wir dann erst 11 und dann jetzt letztlich 18 Monate auf der Warteliste stehen ist eine wirklich sehr lange Zeit. 

Wovon ich rede? 

Von der Autismusspezifischen Förderung. 

Hurra. Endlich kann sie starten....aber einen Moment bitte. Denn vorher sind noch ganz viele Hürden zu nehmen. 

Ein Annamnesegespräch klar. Schweigepflichts-Entbindungen unterschreiben. Aber sicher doch. Formular zur Datenschutz-Verordnung. Natürlich. 

Aber dann. Der unfangreiche psychologische Fragebogen. 36 Seiten. 

Arrrggg. 

Ich habe Schnappatmung, als ich das erste Mal überfliege und kann mich dunkel erinnern, "das Ding" schon zwei Mal ausgefüllt zu haben. 

Aber die Erfahrung macht es nicht leichter ,jede dieser Fragen zu beantworten. Nicht nur deswegen weil mache davon sich doppeln oder einfach nur spiegelverkehrt sind. 

Irgendwann fange ich an "siehe Seite xy" auf den Fragebogen zu schreiben, wenn ich merke, dass ich das in abgewandelter Form schon einmal beantwortet habe. 

Richtig kniffelig wird es bei geforderten Zeitangaben zur frühkindlichen Entwicklung. 

Ich weiß doch wirklich heute nicht mehr wann Nina: "frei sitzen", "greifen", "krabbeln" und "laufen" konnte....also so ungefähr na klar. Aber auf den Monat genau...und ist das schon atypisch gewesen? 

Damit verbunden sind auch viele unangenehme Gefühle, Sorgen und Erinnerungen. Ich muss den Fragebogen ein weiteres Mal weglegen und eine Pause einlegen. 

Ob die Therapeuten einen Ahnung davon haben in was für ein Wechselbad der Gefühle sie Eltern mit der Bitte um das Ausfüllen dieses Fragebogens schicken? Ein ganz klares Nein. 

Ich verdanke es meiner guten Ordnung und einer Pause zur richtigen Zeit, dass mir einfällt, dass ich eine Kopie des letzten Fragebogens aufgehoben habe und kann die letzten Lücken füllen.

Hoffentlich war das vorerst der letzte Fragebogen. 

Lohnen wird es sich und jetzt kann die Extra-Förderung losgehen. 



Samstag, 8. Oktober 2022

vor dem Spiegel

 Wir föhnen die Haare.  Im Badezimmer vor dem Spiegel. 

Ich denke so über dies und das nach. 

Mit einem Mal höre ich ein sehr deutliches "Aaaaa" von Nina. 

Ich schalte den Föhn aus und steige sofort ein. 

"O" , "I", "E" , "U". "L", "B" und "T". 

Ich gebe ihr die einzelnen Buchstaben vor und sie wiederholt. 

Ich kann es kaum glauben. Ein Buchstabe ging - aber der schnelle Wechsel von einem Buchstaben zum nächsten ist ihr bisher nie möglich gewesen. 

Es sah auch immer so aus als ob Nina Schwierigkeiten hätte auf ihre Stimme zugreifen zu können. 

Jetzt scheint sie den Zugang dazu gefunden zu haben. 

Wenig später gelingt es mir ein kleines Video davon zu machen und es ihrer Logopädin zu schicken. 

Diese hat unermüdlich über Monate immer und immer wieder Buchstaben mit Mundbild, mit dem spüren wie sich die Stimme wo in der Kehle anfühlt und mit einer Kombination aus Buchstabe, Laut und Bewegung mit ihr gearbeitet. 

"Ich fall gleich vom Hocker" war die Antwort und genauso fühlte und fühlt sich das für uns an. 

Das ist nicht nur ein Mikro-Schritt. 

Aber ein bemerkenswerter. 

Freitag, 23. September 2022

öffnen, abschnallen und abnehmen

 Nina kichert. 

Ich  höre ein klicken und muss mit dem Tandem eine Vollbremsung machen. 

Just in der Sekunde, in der ich meinen Blick habe schweifen lassen, nutzt sie um den Verschluss ihres Fahrradhelms zu lösen und sofort den Verschluss des Gurtes am Fahrrad zu öffnen. 

Bei voller Fahrt selbstverständlich. 

Nach meiner Vollbremsung komplementiere ich sie vom Tandem und wir gehen ein Weilchen zu Fuß. 

Denn aus Erfahrung weiß ich: ist sie in ihrer "Kicherstimmung", nutzt weder schimpfen noch ein trauriger Kommentar oder das Erklären, dass das so nicht ok ist. 

Also schweige ich und wir gehen eine Weile neben dem Tandem her. 

Sie kommuniziert mir mit Gesten und Geräuschen, dass sie will wieder drauf und weiterfahren will -  logisch sie liebt es ja. 

Trotzdem muss sie noch einige Meter weitergehen. 

Ihr etwas vorenthalten, was sie gerne mag, ist das Einzige was bei unerwünschtem Verhalten hilft. 

Es klingt so abgeklälrt, während ich das jetzt schreibe - natürlich habe ich vor diesem gelungenen Versuch erst einmal ordentlich und lautstark geschimpft, viele Worte darüber verloren  und war megasauer. 

Funktionierte nicht. 

Zu Fuß gehen aber, wenn sie aufs Tandem will aber schon. 

Wir fahren weiter und kommen zu Hause an, ohne das Helm oder Verschluss ein weiteres Mal während der Fahrt geöffnet werden. 

Die Situation mir zu zeigen, dass sie es kann, war zwar nicht gut gewählt - bin aber trotzdem insgeheim stolz, dass Nina diese Verschlüsse öffnen kann. 

 

Strandkorb und Qualle nicht

 Den ganzen Sommer über haben wir die Strandtasche gepackt. 

Nicht nur beim Urlaub am Meer, sondern vor allem beim Lernen. 

Durch das Stöbern auf der Metacom Website, bin ich im Download Bereich auf diese geniale Aufgabe gestoßen. "Ich packe meine Strandtasche"...so heißt die Aufgabe. 

Wie üblich war der erste Durchgang schwierig. 

Mittlerweile aber ist es  Ninas Lieblingsaufgabe und ich sehe uns noch im Januar bei jeder Lerneinheit die Strandtasche packen. 

Aber das nehme ich mit Humor. Schließlich habe ich auch schon ein paar Jahre noch zu Ostern Weihnachtslieder gesungen. 

Der wunderbare Nebeneffekt ist, dass Nina jetzt die Taste "nicht" auf ihrem Talker mehr benutzt und auch weiß das "nicht" und "kein" / "keine"  eine ähnliche Bedeutung haben. 

Diese Erkenntnis ist sehr viel wert und sehr hilfreich im Alltag. 

Was für ein wunderbarer Nebeneffekt. 

Dienstag, 20. September 2022

Energie

 Heute Vormittag hatte ich ein wunderbares Treffen mit anderen Mamas von autistischen Kindern. 

Es war eines jener Treffen, die mir viel Energie geben. 

Das ist nicht immer so, denn oft ist bei nahezu jeder Familie die Anzahl an "Baustellen" so riesig, dass wir es gerade einmal schaffen uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen und jeweils dem anderen den Raum zu geben zu erzählen was gerade los ist.....auch in einem selbst. Das kann sehr traurig machen. 

Nicht so heute. Heute war es leicht und lustig - wie ein Sommerabend. 

Natürlich waren auch die Kinder Thema, aber wir waren in so positiver Stimmung, das wir geplant und überlegt haben, was wir demnächst Unternehmen und organisieren wollen. 

Ich wünsche mir mehr davon. 

Warum nicht schon früher?

 In den letzten Tagen stelle ich mir sehr oft diese Frage. 

Was hätte ich für Zeit und Nerven gespart, wenn ich die "Dinger" einfach früher getauscht hätte. 

Wovon ich rede? Von den wunderbaren Aerosolerzeugern für den Pari e-flow-rapid. 

Was war das vor dem Tausch der wirklich, wirklich abgenutzten Aerosolerzeuger für ein Gerödele.

 Immer auf die Uhr gucken, denken : "Warum dauert der Mist so lange?" oder "kommt da überhaupt Nebel raus???" "Grxxx....schnaub...muss ich wohl doch mal reinigen" ....tja und wenn dann nach der Reinigung immer noch dasselbe Theater ist.

Jetzt sind sie neu und glänzen nicht nur prächtig, sondern Vernebeln wie nix und sehr früh hört man einen lieblichen Piepton, der anzeigt : "Inhalation fertig". 

Nina zufrieden. 

Ich zufrieden. 


Warum nicht schon früher?

Montag, 5. September 2022

deine Wäsche, meine Wäsche

 Zur Kindergartenzeit habe ich angefangen und die Fächer von Ninas Kleiderschrank mit Bildern beklebt und dann zu üben, wo sie Socken, Unterwäsche, Nachthemden und Oberteile findet.

Das war, wie immer, sehr kleinteilig. 

Gemeinsam überlegen was das für ein Wäschestück ist, das Fach suchen und reinlegen. Alles in Kleinarbeit und sehr zeit intensiv. 

Diese Investition hat sich mehr als gelohnt. 

Nicht nur das Nina sich selbstständig ihre Anziehsachen holen kann oder sich umziehen kann, wenn sie möchte. 

Das Sahnehäubchen ist, dass sie mittlerweile sogar wahrnimmt, wenn im Wohnzimmer im Wäschekorb ihre gefalteten Sachen liegen, sie ihn sich schnappt und ganz eigenständig ihre saubere Wäsche in den Schrank räumt. 

Der Wahnsinn. 

Ok, hin und wieder, in ihren Kobold-Momenten kramt sie dann schon mal alle Socken raus und ordnet sie neu oder aber sie räumt ihre T-Shirts in meinen Schrank. 

Aber sie räumt auch wieder alles zurück. 

Wunderbar.