Donnerstag, 13. März 2025

schreiben und lesen lernen wollen

 Ich kann den genauen Zeitpunkt nicht mehr sagen, eventuell ist es auch wieder einmal ein fließender Übergang gewesen, aber Nina möchte unbedingt schreiben und lesen lernen. 

Es ist sehr faszinierend mit welcher Vehemenz und Ausdauer sie daran geht. 

Eines der Beispiele die ich hierfür anführen kann, sind die Schwungübungen mit Musik. 

In der zweiten Klasse (irgendwo während Corona) haben wir das im homeschooling schon mal probiert und es war furchtbar. 

Ninas Aufmerksamkeit war sonstwo nur nicht auf dem Blatt und selbst mit Handführung war es krampfig bis nervig. Für uns beide. 

Was für ein Unterschied, denn jetzt will sie das machen und sitzt nahezu andächtig und hochgradig konzentriert vor dem Blatt und bis zur letzten Note macht sie mit. 

UND: eine Übung ist nie genug. 

Einfach nur schön.   

Mittwoch, 12. März 2025

das Kleinkind in der Bahn

 Einen weiteren wunderbaren Moment erlebten wir erneut während wir mit einer Straßenbahn unterwegs waren. 

Ein kleines Stück neben uns beschwert sich ein Kleinkind über irgendetwas. Da fliegen Spielzeuge und der Schnuller durch die Gegend, die Mutter schimpft ein wenig und das Kleinkind fängt an zu weinen. 

Nina fasst mich am Arm an, deutet auf das Kleinkind, sagt zu mir "trau"und zieht die Mundwinkel nach unten. 

Es ist als würde in mir eine Sonne aufgehen, denn Nina hat mir eben erzählt, dass das andere Kind traurig ist. Sie hat die Gefühle eines anderen Kindes erkannt und ist darüber mit mir in den Dialog getreten. 

Unfassbar großartig!!!!!


Linie 11

 Nina und ich sind nach der Schule unterwegs mit der Straßenbahn und steigen aus um den Rest zu Fuß zu gehen. 

Auf dem Bahnsteig setzt sie ihre Tasche auf und während ich kurz nach meiner Mütze suche sagt Nina "Zoo" - ich drehe mich um und sehe, dass auf der Anzeigetafel tatsächlich die nächste Linie angezeigt wird. Es ist die Linie die zum "Zoo" fährt und eine Sekunde später kommt die entsprechende Lautsprecherdurchsage. 

Ich freue mich wahnsinnig, habe Gänsehaut, möchte weinen und gleichzeitig lache ich, lobe Nina, bestätige "ja die nächste Linie fährt zum Zoo." 

Was für ein wunderbarer, fantastischer Moment. 

"Huch"

 Kleckern, kleine Unfälle, irgendwo gegen kommen, etwas kippt, wird verschüttet, fällt herunter - wir kennen es alle. 

Zu Beginn wären da Tränen und um es abzumildern habe ich dann, bei solchen Vorfällen, etwas überdeutlich und überfröhlich "Huch" gesagt, die Spuren etwaiger Unfälle beseitigt und weiter ging es. 

Aber typisch für unsere Nina wurde nun recht provokant der eine oder andere Kleckerunfall herbeigeführt.  

Ich würde sagen es hat so zwanzig Wiederholungen gebraucht, bis ich gemerkt habe - arrg jetzt ist es wieder gekippt und sie verschüttet und kleckert absichtlich um mich mit ihrer Aktion zu einer Reaktion zu bewegen. 

Also an dieser Stelle wieder aufmerksam sein und jedes kleckern kommentarlos aufwischen und sich auch nicht zu einem schmunzeln hinreißen lassen, wenn Nina mich selbst nachmacht und nun ihrerseits ein lautes "Ohhhh" von sich gibt, weil mein "Huch" ausbleibt. 

Gar nicht so einfach - weil doch irgendwie süß. 

Geschafft habe ich es indem ich mir im Kopf vorgesagt habe "keine Parade fürs kleckern, ganz ruhig...." !!!! 

Auch diese Klippe haben wir mittlerweile erfolgreich genommen. Auf zur nächsten. 

Sprachschnipsel

 Nina nutzt in so unterschiedlichen Situationen ihren Talker, dass es einfach nur schön ist.

Vom Wunsch "Ich möchte Tomate" beim Frühstück, über "Name des Kindes" "Kommst du mit?"  hin zu einer Kombination aus auf die Schulter der betreffenden Person tippen "Name" "Darf ich mir deine Socken ansehen?" über die spielerische Kombination zusammengesetzte Hauptwörter zu bilden "Herbst" "Ferien" und "Bett""Wäsche" oder in die Zukunft gerichtete Wünsche "Ich möchte Weihnachtsferien"!

Diese Liste lässt sich noch eine ganze Weile fortsetzen und es hat in der jüngsten Vergangenheit so viele kleine Kommunikationsanlässe ihrerseits gegeben, dass wir uns gefreut und gefreut und gefreut haben und mit uns ihr Umfeld. 

ein halbes Jahr

 Ein Blick in meinen letzten Post und mit einem Mal ist ein halbes Jahr vergangen. 

Unfassbar. Kann das wirklich sein? Ja....hmm leider oder wow? Ich weiß es nicht. 

Ich weiß nur, wir sind so viele Schritte gegangen in Ninas Entwicklung und ich werde versuchen einiges sortiert aufzuschreiben. 

Hatte ich eine kleine Schreibblockade? Nein. Eher ein Problem mit der Zeit. Oder mit dem täglichen Hamsterrad. Therapien, Termine, tägliche Aufgaben - dann die Infektionen...und die Müdigkeit und ja auch "ich mag heute nicht", möchte frei haben und mal was für mich machen. 

Aber jetzt weiter mit den Mikroschritten. 

Freitag, 13. September 2024

ein Tisch voller UK

 Nachdem ich meine üblichen morgendlichen Handgriffe erledigt habe, schaue ich mich um: der ganze Esstisch ist quasi voller Materialien der unterstützten Kommunikation: 

  • die Datums- und Wettermappe
  • der Pictogenda
  • das "Zeig es, sag es!" + anybook reader Stift
  • der Talker
  • die selbstgebastelte Tagesmappe für Ninas Schulbegleitung!
Mittendrin dann: die Nutrini und die drei Medikamentenschacheln. 

Im Grunde ist dieses allmorgendliche Bild ziemlich bezeichnend dafür, wie die beiden Diagnosen von Nina unseren Alltag bestimmen. 

Die Mukoviszidose läuft so mit und der Autismus überlagert alles.  

Bin ich dankbar dafür? Bin ich traurig? Bin ich erschöpft?

Ja, dankbar das es gesundheitlich gerade so ruhig ist. 

Ja, traurig, dass wir immer so zwischen diesen beiden Bereichen hin- und herjagen. 

Ja, erschöpft auch....von den vielen Dingen die einfach jeden Tag bestimmen. 

Aber darüber hinaus auch gerade glücklich, dass Nina so fröhlich und ganz bei sich ist.